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"Regenerative Energien in der Schiffahrt?"
"Regenerative Energien in der Schiffahrt?" Ein Denkanstoß von Hartmut Schaale

Heutige Möglichkeiten

Das Geschwindigkeitspotential und teilweise der Vorsprung von Windschiffen auf ganz bestimmten Routen gegenüber Motorschiffen ist unter Fachleuten unbestritten. Bereits vor 100 Jahren fanden z.B. auf der Südamerika - Europa-Route erstaunlich regelmäßige und schnelle Großseglerreisen statt, die gleichzeitig den Höhepunkt als auch Abschluss der seinerzeitigen Großseglerentwicklung dokumentieren. Die meisten der damaligen Großsegler hatten nicht mal eine Hilfsmaschine und viele führten trotzdem ihre Reisen mit AbweBundesverband WindEnergieichungen von nicht mehr als plus/minus 5 Prozent ihrer durchschnittlichen Reisezeit durch.

Auf alten Erfahrungswerten und Erkenntnissen aufbauende Kalkulationen neuer Studien lassen für moderne Windschiffe Bunkereinsparungen von bis zu zwei Dritteln erwarten, naturgemäß abhängig vom Fahrtgebiet und den darin angetroffenen Windverhältnissen. Letzteres begrenzt den erfolgversprechenden Einsatz solcher Schiffe auf entsprechende Routen, so dass sie auf bestimmte Fahrtgebiete und Ladungstypen, vornehmlich Massenguttransporte, spezialisiert werden müssen. Die erwähnten Studien erheben nicht den Anspruch, eine Patentlösung für alle Seetransportprobleme zu bieten, aber sie bieten nachhaltige und damit zukunftsträchtige Optionen für große Bereiche in der heutigen Schifffahrt.

[Keine Beschreibung eingegeben]Die Gleichung "passendes Ladungsangebot - optimale Windverhältnisse" trifft hauptsächlich auf die interkontinentalen Routen zu, die bereits vor mehr als 100 Jahren Rahsegler-"Rennstrecken" waren. Diese gingen hauptsächlich von Südamerika aus nach Europa, Nordamerika und Fernost, aber auch von Nordamerika nach Australien und von dort nach Europa. Auch heute sind Südamerika, Australien, Afrika und Südasien nach wie vor Lieferanten von Massengütern wie Getreide, Sojabohnen, Phosphat, Erz, Bauxit, Kohle, Erdöl, usw. und damit langfristige und bedeutende Ladungsanbieter für Bulkschiffe.

Auf den Grundlagen alter Erfahrungen, neuer technischer (Teil-)Lösungen sowie moderner Schiffbautechnik kann davon ausgegangen werden, dass Windschiffe in heute erforderlichen Größenordnungen durchaus gebaut werden können. Die heute verfügbaren, computergestützten Steuerungs- und Winschentechnologien sowie neuartige, hochbelastbare Materialien ermöglichen die Beherrschung der starken Kräfte bei gleichzeitig vertretbarem Bedienungsaufwand, was früher einer der Hauptgründe für die seinerzeit schwindende Konkurrenzfähigkeit der alten Großsegler war. Ebenso ist davon auszugehen, dass weitgehend "state-of-the-art"-Verladetechnik im Schiff verbaut werden kann.

Hinsichtlich Zuverlässigkeit und Sicherheit würden selbstverständlich alle die Geräte und Prozesse verwendet werden, die auch auf Motorschiffen zum Einsatz kommen. Darüber hinaus können Windschiffe sogar konkrete Vorteile aufweisen, denn zum Einen führen sie systembedingt weniger Treibstoff mit sich (geringeres Verschmutzungspotential; entsprechend größerer Ladungsraum) und besitzen andererseits zwei vollwertige Antriebssysteme, denn neben der Takelage würden sie mit entsprechend dimensionierter Antriebsmaschine ausgestattet werden. Diese dient einerseits zum Einhalten der Fahrpläne und zum Anderen dem Manövrieren in Wasserstraßen bzw. zum Ansteuern der Häfen. Die moderne Antriebsentwicklung ermöglicht auch hier neue Lösungen, z.B. den Azipod-Antrieb.

Die neuen geographischen und meteorologischen  Informationssysteme ermöglichen zudem eine spezielle meteorologische Navigation, bei der die günstigsten und "windhöffigsten" Kurse gefahren werden können, was sich trotz einer größeren Distanz in höherer Geschwindigkeit und günstigerem Bunkerverbrauch niederschlägt bei weitgehend gleicher Reisezeit wie sie Motorschiffe haben.

Ein ernstzunehmender Einwand gegen neue Windschiffe besteht darin, dass sie trotz der aufwendigen Takelage zusätzlich mit einer Maschine ausgestattet werden müssen, wodurch in diesem Bereich ca. 10 bis 15 Prozent höhere Investitionskosten entstehen. Es wird an den Werften sein, zu beweisen, dass dies im Verlauf von technischen Substitutions- und Anpassungsmaßnahmen in einem noch besseren finanziell vertretbaren Rahmen möglich ist.

In einer langfristigen, wirtschaftlichen Betrachtung dürfte dieser Nachteil für den Betreiber durch den entscheidenden Vorteil der Windschiffe mehr als aufgewogen werden, nämlich durch die Bunkerersparnis und möglicherweise auch durch günstigere Versicherungskosten. Daraus ergibt sich der maßgebliche Wettbewerbsvorteil, der auf den oben skizzierten Routen den Windschiffen zunehmend zum Durchbruch verhelfen dürfte.

Möglicherweise besteht die Gefahr, besonders auf dem Gebiet der Verladetechnik, dass auf den neuen Windschiffen nicht anwendbare, moderne Technik dazu führen könnte, dass die daraus resultierenden Mehrkosten dann in anderen Bereichen der Transportkette ausgeglichen werden müssten. Naturgemäß würde sich dies zuallererst in den erzielbaren Raten niederschlagen, da die Ladungseigentümer in ihrer "Transportbilanz" entsprechende Verschiebungen vornehmen würden.


¨ top - 17.07.2011 Artikel von Admin

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